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„Es sind auch von den katholischen Kranken nur wenige ohne die hl. Ölung gestorben. “. Die Barmherzigen Schwestern des hl. Vinzenz von Paul, Mutterhaus Augsburg, zur Zeit der NSKrankenmorde in der Heilund Pflegeanstalt Irsee

Autor*innen: Dr. Magdalene Heuvelmann   |   Zeitschrift: Geschichte der Pflege, Hungen   |   Jahrgang: 18   |   Heft: 12   |   Seiten: 1 bis 1   |   Erscheinung: 22.12.2015   |   DOI: 10.3936/docid203081


Abstract

Die Reflexion der Krankenmorde im Nationalsozialismus und die der Verantwortung der Pflegenden in diesem Zusammenhang stellt bis heute – auch unter aktuellen ethischen Fragestellungen – eine große Herausforderung dar. Deshalb ist es so spannend, die Perspektive der Handelnden vor Ort, ihren Alltag und ihre Dilemmata unmittelbar über ihre eigenen Quellen zu betrachten. Im ehemaligen Benediktinerkloster in Irsee, Allgäu, wurde 1849 eine Psychiatrie gegründet, die seit 1876 als Nebenstelle der Heilund Pflegeanstalt im benachbarten Kaufbeuren fungierte. Von 1928 bis 1950 waren hier die Barmherzigen Schwestern des hl. Vinzenz von Paul, Mutterhaus Augsburg, als katholischer Orden in der Pflege eingesetzt. 1940 und 1941 wurden von Irsee aus 400 PatientInnen in die Tötungsanstalten Grafeneck und Hartheim gebracht und dort ermordet. An den (beabsichtigten) Folgen einer so genannten „Hungerkost“ starben in Irsee mehrere Hundert Menschen und mehr als 200 wurden durch Medikamentenmissbrauch ermordet. In den 22 Jahren der Tätigkeit der Barmherzigen Schwestern in Irsee verfasste die Filialoberin eine Chronik, die Einblicke in den Alltag der Schwestern gewährt, die ihre Verwobenheit und – zum Teil – ihre Verzweiflung beschreibt. Anhand dieser Chronik und anderer vorgestellter Quellen lässt sich das Handeln der Schwestern, die Hilflosigkeit ihrer Hilfen und die fatale Priorisierung ihrer Glaubensgrundsätze nachvollziehen. Das in der Ethik gebräuchliche Argument der schiefen Ebene („slippery slope“) kann auf diesem Wege anschaulich begriffen werden und gewinnt aktuelle praktische Relevanz.


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